Das große "Fotografen-Sterben"

Seit Jahren hört man von so manchen Vollzeit-/Berufsfotografen, wie schwer das Geschäft geworden ist. Da fallen so bestimmte Sätze, die ich so nicht stehen lassen möchte. Ich denke, dass sie bei Vielen nur Ausreden sind.

 

“Weil die Technik immer besser und billiger wurde, hat jetzt jeder Amateur Zugang zu Foto-Equipment mit dem man Profis Konkurrenz machen kann.”

Es ist zwar richtig, dass “vernünftige” Kameras und Zubehör erschwinglicher geworden sind, jedoch sind im High-End-Bereich nach wie vor hohe Preise zu zahlen. Es fällt also bestenfalls der Einstieg leichter, aber um professionell zu arbeiten, muss man nach wie vor beachtliche Summen investieren. Und richtig gute Fotos macht nach wie vor nicht die Kamera, sondern der Bediener.

 

“Die Technik ist so einfach, sodass jeder gute Fotos machen kann.”

Früher war es in der Tat eine Herausforderung ein scharfes und korrekt belichtetes Foto zu machen. In Analogzeiten gab es zudem kein Display, das sofort das Resultat angezeigt hat. Heute reicht es an ein paar Rädchen zu drehen und den Auslöser zu drücken bzw. bei Mirrorless-Kameras sieht man in Echtzeit was man bekommt.

Jetzt ist aber die Definition “gutes Foto” wichtig. Es gibt viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Bildausschnitt, Blickwinkel, Brennweite, Pose, Licht, Emotion und eine Vielzahl von Bildkompositionstechniken, die man anwenden kann/muss.

Das korrekt belichtete, scharfe Bild bekommt mittlerweile jeder hin. Der Einstieg in die Fotografie ist somit auch in dieser Hinsicht einfacher geworden. Jedoch muss man immer noch viel lernen, um die anderen Faktoren verstehen und anwenden zu können. Dazu kommt die notwendige Kreativität, um interessante Fotos zu erschaffen.

Es scheint, dass so manche Berufsfotografen, die um ihre Existenz bangen oder sie bereits verloren haben, in ihrer Entwicklung vor vielen Jahren stehen geblieben sind. 

X Standard-Posen

X Standard-Licht-Setups

X Standard-Looks

und das war’s dann...

 

“Viele Hobbyisten verlangen so niedrige Preise, da kann ich nicht konkurrieren.”

Es ist richtig, dass Amateure auf den Markt drängen, die zu einem Preisverfall führen. Aber die wenigsten von denen sollten auch mehr Geld verlangen. Die Zuverlässigkeit, das günstigere Equipment und auch die geringere Erfahrung rechtfertigen oft keine höheren Preise. Je erfahrener diese Leute werden, desto mehr verlangen sie. Ganz wenige gute Hobbyisten machen Auftragsarbeiten für Lau. Also meine Frage an die Fotografen-Meister, die über Preise jammern: Habt ihr vor einem 16-Jährigen Angst, der vor zwei Jahren eine Kamera zu Weihnachten geschenkt bekommen hat? Oder einen 25-Jährigen, der Fotografie als Hobby für sich entdeckt hat und hin und wieder im Bekanntenkreis einen 200-Euro-Job macht?

Wer als Profi wirklich Angst vor diesen Leuten hat, sollte den wichtigsten Unterschied sehen. Diese Leute haben Leidenschaft und Engagement und das ist manchen Profis im Alltag abhanden gekommen.

 

Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die jammernden Berufsfotografen, die aufgeben müssen oder mussten haben es oft nur versäumt sich anzupassen und weiterzuentwickeln.

 

"Als Profi muss ich ein Studio und/oder Laden unterhalten und diese Kosten hat der Amateur nicht."

Umkehrschluss: Dafür hat der Amateur auch keinen Laden und kein Studio mit dem er arbeiten kann. Der Laden sollte als Kundenmagnet funktionieren, ansonsten bringt er ohnehin nichts. Günstiger agierende Amateure haben damit nichts zu tun.

Wenn ein Fotograf ein Studio hat und dann nur ein paar Passfotos macht und hin und wieder ein 0815-Familienportrait, dann ist das Studio überflüssig. 

 

Zwei Beispiele, die ich erlebt habe:

 

Ein Meister mit Studio, der vor ein paar Jahren schließen musste. Seine Bilder waren stets ordentlich ausgeleuchtet, aber es war im Prinzip immer die gleiche, flache Lichtsetzung. Die wenigen Bilder in denen er Licht und Schatten einsetzte bestanden aus einfachen Standard-Setups, die jeder Anfänger schnell beherrscht.

Es wirkte wirklich so auf mich, als hätte er vor Jahrzehnten einmal gelernt, ein Bild korrekt auszuleuchten und ein kleine handvoll Licht-Setups und Stilmittel für bestimmte Stimmungen einzusetzen. Und dann passierte nichts weiter. Da wird natürlich auch einmal ein 16-Jähriger mit Reflektor zur gnadenlosen Konkurrenz. 

 

Der andere ist auch ein Fotografenmeister. Ein total netter Kerl, der wirklich gut mit Leuten kann. Auch sein Studio musste er schließen. Woran lag das? Bei ihm merkte man noch deutlicher, dass er Ende der 80er bzw. in den 90er Jahren stehen geblieben ist. Hintergründe, Licht, Posen und das ganze Feeling - In seinem Portfolio, welches eigentlich von 2015 war, konnte man sich voll und ganz in ein Fotostudio der 90er versetzt fühlen.

Die Wende zu Digital hat er zwar technisch irgendwie geschafft, aber bei seiner digitalen Bildbearbeitung erkannte man noch etwas viel Erschreckenderes. Offenbar verstand er nicht, wie Menschen Bilder betrachten und welche Faktoren den Blick des Betrachters führen. Beispielsweise versuchte er mit Unscharf-Masken und diversen anderen Techniken die Augen auf das Wesentliche zu lenken, aber die Umsetzung war so schlecht, dass sie den Betrachter eher irritierten. Vieles war gut gemeint, aber völlig übertrieben. 

 

Nun möchte ich nicht, dass sich Berufsfotografen angegriffen fühlen, die jahrzehntelang im Geschäft waren und es noch sind. Es gibt unzählige alte Hasen bei denen es sehr gut läuft, weil sie eben dem Hobbyisten haushoch überlegen sind. Ihr jammert ja auch nicht. Ihr habt die Technik, das Wissen und die Kunden - und ihr macht geile Fotos!

Es geht mir aber um die Berufsfotografen, die nicht bestehen konnten und es jetzt auf Hobbyisten, Nebenberufler oder die voranschreitende Technik schieben.

Es sind Ausreden. Ihr werdet nur durch bessere Fotografen ersetzt.

 

Und das ist auch die positive Seite: Es gibt kein Fotografen-Sterben!

 

Es werden mehr Fotografen. Der Einstieg wird immer einfacher. Jeder kann sogar schon mit seiner Smartphone-Kamera Erfahrungen sammeln - nein, ich meine nicht Duckface-Selfies, sondern auch mit dem Smartphone lernt man (wenn man will) schon Posing, Bildkomposition usw.

Konkurrenz belebt das Geschäft. Alle, die sich Fotografen nennen, sind gezwungen sich weiterzuentwickeln und besser zu werden. Und das hört erst auf, wenn man aufhört zu fotografieren.

 

Eine Botschaft an alle Fotografen, egal wo ihr in eurer Entwicklung steht:

Lasst euch nicht von frustrierten und gescheiterten “Profis” runterziehen und lasst euch nichts schlechtreden. 

 

So soll jeder Fotograf positiv in die Zukunft blicken. Es kann nur besser werden, solange ihr weiter an euch arbeitet und weiter fotografiert, scheitert, lernt und noch besser werdet...

 

Wer lernt kommt weiter...

 

 

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